Karriere oder nicht: Wie hoch hinaus will ich eigentlich?

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„Welchen Preis bin ich bereit, für eine Karriere zu zahlen?“ ist eine Frage, die sich viele Berufstätige schon einmal gestellt haben. Vor allem in Momenten, in denen sich ausufernde Arbeitszeiten und ein hoher Leistungs- und Termindruck auf die Gesundheit oder das Privatleben auswirken. Dies gilt für Berufseinsteiger genau wie für Führungskräfte. Noch vor einigen Jahren waren ein hohes Gehalt und ein gesellschaftlicher Aufstieg der Traum vieler angehender Manager, die Familie wurde der Karriere meist untergeordnet. Heute wird die Frage oftmals anders beantwortet, denn viele Arbeitnehmer sind nicht mehr bereit, der Karriere alles unterzuordnen. Wie können Sie sich zu Beispiel als (junge) Führungskraft darüber bewusst werden, was Sie eigentlich wollen? Und was können Sie tun, um den nötigen Ausgleich zum Job zu finden?

 

Die Selbstreflexion

Die ersten Fragen auf dem Weg „nach oben“ sollten sich um die eigene Zielbestimmung drehen: Was bedeutet für Sie der Begriff Karriere überhaupt? Verbinden Sie damit ein bestimmtes Gehalt? Welche Managementebene möchten Sie erreichen? Geht es Ihnen darum, Menschen zu führen, oder lockt Sie die Macht, die Sie in einer hohen Position besitzen? Hier hilft es, detailliert aufzuschreiben, was Sie erreichen möchten, und aus welchen Gründen Sie diese Ziele haben.

Stellen Sie sich außerdem möglichst bildlich vor, wie Ihr Leben aussehen wird, wenn Sie Ihre Ziele erreicht haben. Nun kommt die Frage, was Sie eigentlich bereit sind, dafür zu zahlen. Denn oft geht die Karriere zu Lasten von Beziehung und Familie sowie Gesundheit und Freizeit – also auf Kosten der Lebensqualität.

Wenn Sie dauerhaft leistungsfähig und gleichzeitig zufrieden und ausgeglichen bleiben wollen, ist es wichtig, dass es Ihnen körperlich, seelisch und geistig gut geht. Nehmen Sie sich deshalb immer wieder Zeit zur Selbstreflexion. Dabei helfen einige Fragen, die Sie regelmäßig für sich selbst beantworten sollten:

  • Wie sinnvoll ist das, was ich mache?
  • Bringt es mich auf meinem Weg weiter?
  • Leidet darunter einer der Lebensbereiche, die mir wichtig sind?
  • Was kann ich verändern, damit es mir besser geht?

 

Vielleicht stellen Sie fest, dass der nächste Karrieresprung es nicht wert, da Ihnen keinerlei Zeit mehr für Ihr Privatleben bleibt. Oder Sie merken, dass Ihnen Selbstverwirklichung, Sinnfindung und Spaß an der Arbeit weitaus wichtiger sind als ein hohes Gehalt.

 

Stärken und Schwächen bewusst machen

Damit Ihre Work-Life-Balance auch bei einem stressigen Alltag mit viel Verantwortung ausgeglichen ist, sollten Sie sich selbst und Ihre Leistungsfähigkeit, Ihre Fähigkeiten und Ihre Schwachpunkte gut kennen. Dabei hilft es, in regelmäßigen Abständen eine Stärken- und Schwächenanalyse Ihrer beruflichen und persönlichen Kompetenzen durchzuführen. Sie können auch andere Menschen – Freunde, Angehörige und Kollegen – um ihre Meinung bitten und so viel über sich selbst dazulernen. Selbst- und Fremdbild weichen manchmal erheblich voneinander ab, hören Sie deshalb aufmerksam zu und fühlen Sie sich durch Kritik nicht verletzt.

 

Für sich selbst sorgen

Wenn Sie Ihre Stärken und Schwächen kennen, können Sie Ihre Fähigkeiten gezielt ausbauen und Ihre Schwachstellen optimieren. Sehen Sie sich selbst als Ihren wichtigsten Mitarbeiter, den Sie hegen, pflegen und fördern. Wenn Sie merken, dass Sie an Belastungsgrenzen stoßen, können Sie sich auch Hilfe bei einem Coach holen. Achten Sie zum Beispiel auf ein gutes Zeitmanagement, damit Ihnen ausreichend Zeit für das Wesentliche bleibt.

Der steilste Aufstieg nützt Ihnen nichts, wenn Ihre Gesundheit oder Ihr Privatleben vollkommen auf der Strecke bleiben. Mit zunehmendem Alter steigen in der Regel die Arbeitsbelastung, der Stress und Druck. All das beeinflusst die Psyche und das körperliche Wohlbefinden negativ. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Sie jeden Tag ausreichend Pausen machen und sich bewusst entspannen. Achten Sie auf möglichst viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Freundschaften und Ihre Partnerschaft zu pflegen.

 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Auf die veränderten Bedürfnisse seiner Nachwuchskräfte, die vermehrt Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen, müssen sich auch Unternehmen immer stärker einstellen. Gemeinsam mit den Führungskräften sollten sie an Möglichkeiten arbeiten, wie sich Job und Privatleben besser in Einklang bringen lassen. Sie werden künftig flexibler sein müssen, um ihre Topleute zu halten: Dazu gehören etwa Sabbaticals, flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Langfristig profitieren Unternehmen von zufriedenen Führungskräften, die engagierter und effektiver arbeiten, ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler sind und eine Unternehmenskultur schaffen, in der jeder Mitarbeiter Freude am Job hat.

Wie sahen Ihre Karrierepläne aus, als Sie in den Beruf eingestiegen sind? Und haben Sie diese verwirklicht? Besonders interessieren mich auch Ihre Erfahrungen, falls Sie Ihre Pläne komplett umgeworfen und etwas ganz Anderes gemacht haben. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

 

Bildquelle: © fotogestoeber – Fotolia.com


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