Mail-Flut ade – Was Unternehmen gegen den Nachrichten-Overkill tun

mailflut

Die E-Mail ist ein großartiges Werkzeug – aber sie wird zunehmend auch als ineffektiver Kostenverursacher empfunden. Viele Angestellte verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit dem Abarbeiten der permanent eintrudelnden Nachrichten – besonders schlimm ist es nach der Rückkehr aus den Ferien. Mit unterschiedlichen Strategien versuchen Unternehmen, die alltägliche Flut einzudämmen.

Laut einer aktuellen Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom erhält jeder zehnte Arbeitnehmer mit dienstlicher Mail-Adresse im Schnitt mehr als 40 E-Mails pro Tag. Zwei Drittel der befragten Berufstätigen, so die repräsentative Studie weiter, empfinden E-Mails mittlerweile als Belastung. In den oberen Etagen muss es noch viel schlimmer aussehen. Glaubt man einer gerade veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Bain & Company, landen im Postfach von Führungskräften durchschnittlich 30.000 Mails im Jahr. Das macht in Deutschland jährlich bei rund 250 Arbeitstagen 120 elektronische Nachrichten am Tag!

 

Daimler lässt Mails von Urlaubern löschen

Kein Wunder, dass sich Firmen zunehmend Gedanken machen, wie sie die Kommunikation per E-Mail besser steuern und gegebenenfalls auch eindämmen können. Die Daimler AG hat nach einigen Probeläufen im vergangenen Jahr jetzt das Projekt „Mail on Holiday“ gestartet – und verfährt dabei nach dem Grundsatz: Manchmal ist Löschen produktiver. Mitarbeiter können die E-Mails, die während ihres Urlaubs in ihrem Postfach eintrudeln, automatisch löschen lassen. Die Absender werden ebenfalls automatisch informiert, dass der Empfänger in den Ferien ist, erhalten die Kontaktdaten seiner Vertretung. Alle rund 100.000 Angestellten in Deutschland können laut Daimler bei „Mail on Holiday“ mitmachen – müssen aber nicht, die Teilnahme ist freiwillig.

 

Rückkehrer werden nicht von Mail-Lawine überrollt

Das Projekt soll zum einen dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter während ihres Urlaubs nicht mit dienstlichen Dingen beschäftigen und womöglich ihre Mails lesen. Zum anderen will man verhindern, dass die Angestellten nach dem Urlaub von einem überlaufenden Mail-Postfach geradezu erschlagen werden und Stunden bis Tage mit dem Lesen und Löschen der Nachrichten beschäftigt sind. Für die Arbeitnehmer ist das sicher eine Entlastung – wenn dabei sichergestellt ist, dass die Rückkehrer aus dem Urlaub keine für sie relevanten Termine verpassen und zeitnah über wichtige Ereignisse und Entwicklungen während ihrer Abwesenheit informiert werden.

 

Konzerne forcieren E-Mail-freien Feierabend

Eine einheitliche Regelung bezüglich dienstlicher E-Mails nach Feierabend und in den Ferien gibt es in Deutschland nicht. Vorreiter sind hier die großen Unternehmen wie BMW, Telekom und Volkswagen, die ihren Angestellten ein Recht auf Unerreichbarkeit in der Freizeit gewähren. Der Chip-Hersteller Intel geht noch einen Schritt weiter, will seinen Mitarbeitern zumindest an einem Tag in der Woche eine Pause gönnen. Die Angestellten sollen freitags keine internen Nachrichten verschicken, sondern zum Telefon greifen oder das persönliche Gespräch suchen. Der Hintergedanke dabei dürfte sein: Manchmal ist es produktiver, so manche E-Mail gar nicht erst zu verschicken – oder zumindest nicht die halbe Firma in Cc zu setzen. Denn Mails, die man nicht erhält, müssen auch nicht gelöscht werden – ob automatisch oder per Hand.


1 Sternchen2 Sternchen3 Sternchen4 Sternchen5 Sternchen (Bisher wurden für den Artikel "Mail-Flut ade – Was Unternehmen gegen den Nachrichten-Overkill tun" noch keine Sternchen vergeben)

Diesen Artikel kommentieren