Querdenker: Nervensägen oder Innovatoren?

In fast jeder Arbeitsgemeinschaft gibt es eine oder mehrere Personen, die anders sind als alle anderen. Sie entwickeln eigene Erledigungsstrukturen, bringen immer wieder mehr oder weniger hilfreiche Vorschläge zu Arbeitsorganisation hervor und gehen auch mal auf Konfrontationskurs.

Ob Sie diese Querdenker eher als Innovatoren oder als Nervensägen betrachten, hängt stark von deren Persönlichkeit ab. Weitere Beurteilungen entstehen durch das Arbeitsumfeld und die Art der Tätigkeiten.

Querdenken kann unqualifiziert oder durchdacht vorgebracht werden. Psychologisch und wissenschaftlich handelt es sich beim Querdenken um laterales oder nicht lineares Denken. Diese andere Art und Perspektive eröffnet oft erstaunliche Lösungs- und Verbesserungsansätze. Eine Art von Bewegung bringt sie immer mit sich.

 

Das haben wir immer schon so gemacht

Kaum jemand kennt diese Situation nicht. Ein meist jüngerer Mitarbeiter erkennt in einer Routine oder Vorgehensweise eine unnötige Komplizierung oder einen unsinnigen Aufwand. Gerne lautstark und vernehmlich tut er seine Erkenntnis kund. Der Eindruck, man hat einen Querdenker vor sich, drängt sich ziemlich schnell auf. Nur fehlt dieser Person eine entscheidende Voraussetzung, die gewisse Erfahrung.

Sie – als länger an Ihrem Arbeitsplatz Beschäftigter – wissen um organisatorische Zusammenhänge. Das vermeintliche Querdenken entpuppt sich schnell zu einem Sturm im Wasserglas. Frischer Wind ist in den meisten eingefahrenen Abläufen hilfreich, um eine Stagnation zu verhindern und Prozesse anzukurbeln.

Wenn Sie auf einen Querdenker treffen, dessen Ideen und Vorschläge nicht in moderater Erfahrung und Übersicht eingebettet sind, handelt es sich eher um eine Nervensäge.

 

Quantität und Qualität

Querdenken wird vielfach mit Karrierestreben, Narzissmus und Profilierungssucht in einen Hut geworfen. Eine falsche Sortierung, denn einen echten Querdenker erkennen Sie an seiner streng sachorientierten Betrachtung.

Wer mit Fakten argumentiert, kann zwar auch eine der oben genannten Eigenschaften besitzen, ist aber durchaus auch innovativ. Man könnte sagen, dass mit dem Anstieg egoistischer Motive beim Querdenken auch das “Nervensägenpotenzial” proportional ansteigt.

In nicht seltenen Fällen fallen innovative Vorschläge des Querdenkers in einen eher empfindlichen Kommunikationsbereich. Die Art und Frequenz der Einlassungen des Querdenkers entscheiden maßgeblich über die Wahrnehmung der Kollegen und Vorgesetzten. Nicht zu unterschlagen ist, dass es weniger echte nicht linear denkende Menschen gibt, als oft angenommen. Nicht jeder überraschende Vorschlag enthält also tatsächliche Innovationskraft.

 

Soziales Gefüge und Gruppendynamik

Die Grenze zu Besserwisserei und Oberlehrerattitüde ist für einen Querdenker ein entscheidender Faktor. Auch wenn er sachbezogen recht hat, können soziale Missverständnisse und Spannungen die innovatorischen Inhalte und Werte überdecken.

Es ist geschickt und klug, Ideen und Vorschläge einerseits dosiert und andererseits zielgerichtet anzubringen. Wenn Sie Ihrer ganzen Abteilung ständig organisatorische Mängel und sinnfreie Methoden beklagen, gewinnen Sie keine Sympathien.

In der Natur der Änderung liegt immer auch die Kritik an Bestehendem. Mitarbeiter können Äußerungen und Einlassungen persönlich nehmen. Abhilfe schaffen zielgerichtete informelle Gespräche mit betroffenen Kollegen und Vorgesetzten. Sie mindern das Potenzial, als Nervensäge im Sinne von “Der schon wieder” zu gelten.

 

Potenziale von Querdenkern nutzen

Berühmte Querdenker wie Albert Einstein und Thomas Edison schafften ihr Lebenswerk trotz schlechter Schulleistungen. Sie kollidierten früh mit gesellschaftlichen Konventionen und Normen. Das ist bei einem Querdenker fast nicht zu vermeiden.

Kluge Vorgesetzte nutzen die Innovationskraft solcher Mitarbeiter, indem sie ihnen temporäre Aufgaben zuordnen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Soziale Konflikte mit der ständigen Nervensäge werden so in kreative Prozesse umgewandelt, von denen im Endeffekt das ganze Unternehmen profitieren könnte.

Sind Querdenker eher Nervensägen oder Innovatoren? In vielen Fällen ist wohl beides richtig…

 

 

 

Bildquelle: trueffelpix / 123RF Standard-Bild


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