Aufstehen! Warum langes Sitzen im Büro krank macht – und was Sie dagegen tun können

Langes Sitzen im Büro führt zu akuten Schmerzen und chronischen Krankheiten: Die Bandscheiben werden in Mitleidenschaft gezogen, außerdem erhöht regelmäßiges stundenlanges Sitzen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Arbeitgeber und Krankenkassen beginnen das Problem zu erkennen und bieten Kurse und Gesundheitsmaßnahmen an.

Aber laut Experten gilt: Auch Sie selbst können im Büro durch kleine Übungen einiges tun, um die Folgen des Bewegungsmangels durch langes Sitzen im Büro abzumildern.

 

Langes Sitzen im Büro: Hauptursache für Krankschreibungen

Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) hat in ihrem Gesundheitsreport 2016 das Sitzverhalten und körperliche Aktivitäten bei der Arbeit untersucht und Zahlen veröffentlicht:

  • 25 Minuten – das ist die Zeitspanne der täglichen aktiven Bewegung eines durchschnittlichen deutschen Mannes.
  • 11,5 Stunden am Tag verbringen Erwachsene sitzend – der größte Teil dieser Zeit entfällt auf langes Sitzen im Büro.

Wer an seinen eigenen Schreibtisch denkt, weiß: Die meisten Utensilien, Geräte und Unterlagen sind ordentlich in Griffweite platziert. Die meisten Arbeiten erfordern kaum Bewegung. Wer aufsteht, unterbricht sogar meist seine Arbeit – eine hohe Produktivität erreichen viele von uns durch langes Sitzen im Büro.

Aber diese Produktivität wirft Fragen auf – für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber: Jede zehnte Krankschreibung geht auf Rückenprobleme zurück. Und langes Sitzen im Büro und schmerzhafte Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats stehen in einem ursächlichen Zusammenhang.

Sport nach langem Sitzen im Büro reicht nicht

Langes Sitzen im Büro schadet den Bandscheiben und führt zu Verspannungen. Es begünstigt Muskelabbau und Wassereinlagerungen, hemmt fettabbauende Enzyme, zieht das Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft und steht in Verdacht, die Lebenserwartung zu senken.

Doch was hilft? Kann man mit Sport nach Feierabend das stundelange Dauersitzen ausgleichen?

Der Sportmediziner Ingo Froböse, wissenschaftlicher Leiter des Gesundheitsreports der DKV, weist darauf hin, dass berufliche Dauersitzer die negativen Folgen kaum durch Freizeitsport kompensieren können.

Die schädlich veränderten Stoffwechselfunktionen stellen sich nach einem langen Bürotag nicht schnell und nachhaltig um.

Die Konsequenz: Es muss mehr Bewegung in den Büroalltag kommen!

Hier sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer zugleich gefragt. Arbeitgeber können mit zwei Maßnahmen in die Gesundheitsprävention ihrer Angestellten investieren:

  • Ergonomisches Mobiliar kompensiert langes Sitzen im Büro.
  • Präventionskurse wie Rückentraining und Entspannungstherapien helfen, die Folgen der sitzenden Tätigkeit zu mildern.

Der Etat für das betriebliche Gesundheitsmanagement muss nicht astronomisch hoch sein, Gesundheitsprävention hat aber einen erheblichen Nutzen – und erhöht das Zugehörigkeitsgefühl der Angestellten zum Unternehmen.

Wichtigste Maßnahme gegen Bewegungsmangel: Eigeninitiative

Sollten Sie zu den Arbeitnehmern zählen, deren Arbeitgeber weder in Ergonomie noch in Gesundheitskurse investiert, können Sie trotzdem gute Strategien gegen langes Sitzen im Büro entwickeln.

Experte Froböse gibt der Eigeninitiative sogar den unbedingten Vorzug gegenüber allen anderen Maßnahmen.

Langes Sitzen im Büro muss regelmäßig durch Bewegung unterbrochen werden:

  • Bewegung fängt auf dem Arbeitsweg an: Wenn Sie nicht mit dem Fahrrad kommen können, parken Sie Ihren Wagen weiter weg. Jeder Schritt zählt!
  • Benutzen Sie die Treppe, nicht den Fahrstuhl.
  • Versuchen Sie, auch mal im Stehen zu telefonieren.
  • Wenn Sie zum Beispiel regelmäßig viel ausdrucken, erledigen Sie das ruhig scheibchenweise und gehen Sie mehrmals zum Drucker. Jeder Gang ist gesund, jedes Aufstehen entspannt Ihre Sehnen und durchblutet Ihre Bandscheiben.
  • Auch dezente Gymnastik hilft gegen langes Sitzen im Büro: Verschränken Sie Ihre Hände hinter dem Kopf, pressen Sie nach vorn, halten Sie mit dem Kopf dagegen. Ziehen Sie die Brust gegen das Kinn. Sie können im Stehen Beuge- und Streckübungen machen, wenn es die Umgebung erlaubt.

Denken Sie daran: Jede Unterbrechung des Sitzens dient Ihrer Gesundheit. Dann sind Sie am Abend auch noch fit genug für Sport.

 

 

Bildquelle: endomedion / 123RF Lizenzfreie Bilder


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