Sind Sie ein Workaholic?

Die Bezeichnung Workaholic wird im täglichen Sprachgebrauch häufig verwendet. Vielen ist dabei gar nicht klar, dass ein Workaholic nicht nur jemand ist, der überdurchschnittlich viel arbeitet, sondern regelrecht süchtig nach Arbeit ist. Nicht von ungefähr leitet sich das Wort aus den englischen Begriffen work und alcoholism ab.

Während der Alkoholiker zwanghaft Alkohol trinken muss, versucht der Workaholic seine Arbeitsleistung ständig zu erhöhen. Da es sich bei Arbeit nicht um ein klassisches Laster wie Alkohol oder Glücksspiel handelt, ist es schwer, die Arbeitssucht zu erkennen. Die Tatsache, dass diejenigen, die viel arbeiten, im Gegenteil sogar viel Anerkennung bekommen, macht die Diagnose nicht leichter. Nach Schätzungen von Experten gibt es in Deutschland zwischen 200.000 und 500.000 Arbeitssüchtige.

 

So verläuft die Arbeitssucht

Die Arbeitssucht verläuft in Stadien. In einem frühen Stadium denkt man auch in der Freizeit an den Job und fängt an, private Interessen zu vernachlässigen. Etwas später werden alle Lebensbereiche der Arbeit untergeordnet und es kann zu ersten Anzeichen von Erschöpfung kommen.

Wird nicht rechtzeitig von außen geholfen, droht die chronische Arbeitssucht. Das Privatleben wird nahezu komplett ausgeblendet und weitere gesundheitliche Folgen treten auf, z.B. Herz-Kreislauf-Störungen oder gar eine Depression. Im letzten Stadium sinkt die Leistungsfähigkeit drastisch und der Krankheitsverlauf wird dramatischer. Durch Überarbeitung ist der Workaholic nicht mehr in der Lage, seine beruflichen Aufgaben zu erledigen. Das Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, steigt. In Japan hat der Tod durch Überarbeitung sogar ein eigenes Wort – Karoshi.

 

Daran erkennt man einen Workaholic

Damit es nicht so weit kommt, müssen Workaholics – nicht anders als andere Süchtige – frühzeitig mit einer Therapie beginnen. Leider ist es auch bei dieser Suchtform für den Süchtigen selbst oft sehr schwer, sich die Arbeitssucht einzugestehen. Im Idealfall hat der Süchtige in seinem Vertrautenkreis Personen, die ihn auf seine Probleme aufmerksam machen. Doch woran erkennt man den Unterschied zwischen “viel arbeiten” und “süchtig nach Arbeit”?

Da die Arbeitssucht nicht als Krankheit anerkannt ist, gibt es keinen Diagnosekatalog. Auch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Wir haben dennoch einige Verhaltensweisen gesammelt, aus deren Kombination man den Hang zur Arbeitssucht ableiten kann:

 

  • Der Beruf spielt die Hauptrolle im Leben.
  • Es werden viele Überstunden gemacht.
  • Das Firmenhandy ist auch in der Freizeit an.
  • Geschäftliche Mails werden auch am Wochenende oder im Urlaub sofort beantwortet.
  • Familie, Freunde und Hobbys werden konsequent vernachlässigt.
  • Der Workaholic kann nicht mehr abschalten und sich entspannen.
  • Mitmenschen werden angelogen, um das eigene Handeln zu legitimieren.
  • Es gibt Anzeichen von körperlichen und/oder seelischen Erkrankungen.

 

Personen mit Führungsverantwortung und Selbständige sind übrigens überproportional gefährdet.

 

So kann man die Arbeitssucht therapieren

Gute Tipps kommen bei den meisten Süchtigen nicht an. Das gilt für die Spielsucht, ebenso für die Alkoholsucht und auch für die Arbeitssucht. Im besten Fall wächst beim Workaholic im Laufe der Zeit selbst die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt. Im schlimmsten Falle verhelfen schmerzvolle Ereignisse oder Unfälle zur Einsicht. Arbeitssüchtige sollten auf jeden Fall professionelle psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Die bekommen Sie u.a. in spezialisierten Behandlungszentren.

Im Gespräch werden dann die Ursachen für das Zwangsverhalten gesucht. Verborgene Ängste oder nicht verarbeitete Kindheitserlebnisse könnten beispielsweise mitverantwortlich für das Verhalten sein. Außerdem wird der Weg zu einem Leben geebnet, in dem Entspannung und Freizeit wieder möglich sind. Befindet sich der Workaholic in einer späten und kritischen Phase der Sucht können auch Medikamente verabreicht werden. Eine Sucht zu therapieren dauert lange – und ist ironischerweise auch mit Arbeit verbunden.

 

Haben Sie Erfahrungen mit Workaholics? Oder befürchten Sie, dass Sie selbst einer sind? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

 

Bildquelle: dotshock / 123RF Lizenzfreie Bilder


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