Entspannt am Strand im sonnigen Süden liegen und nebenbei ein paar berufliche E-Mails beantworten, eventuell sogar nur einen halben Blick auf den Laptop werfen? Wer Urlaub macht, obwohl er offiziell im Homeoffice arbeitet, betreibt Quiet Vacationing – und riskiert seinen Job.
Die Ausgangssituation
Urlaub einreichen, Urlaub genehmigt bekommen und Urlaub machen: So zumindest wäre die logische Reihenfolge, wenn es um das Thema Urlaub im Job geht. Wer als Angestellter ein paar freie Tage oder sogar mehrere Wochen berufliche Auszeit haben möchte, der benötigt zunächst das Einverständnis des Arbeitgebers. Um das Risiko einer Absage zu umgehen, gibt es jedoch Arbeitnehmende, die diesen wichtigen Schritt einfach auslassen. Manchmal sind auch einfach die reine Bequemlichkeit oder der Wunsch, über die regulären Urlaubstage hinaus weitere freie Tage für sich herauszuschlagen, mögliche Beweggründe. Die Urlaubsplanung wird daher einfach allein in die Hand genommen – ohne vorher ein Erlaubnis einzuholen, geschweige denn, überhaupt zu fragen.
Das Phänomen, wenn Angestellte heimlich Urlaub machen, ist derzeit ein „Trend“ in den USA und findet auch bei uns immer mehr Nachahmer. Man spricht dabei von Quiet Vacation oder Quiet Vacationing.
Wenn das Homeoffice an den Strand verlagert wird
Was vor 20 und sogar vor 10 Jahren noch fast unvorstellbar schien, ist heute dank Digitalisierung und Homeoffice ohne Weiteres möglich. Dank papierlosem Büro, E-Mail-Programm im Laptop und virtuellen Meetings mit Kollegen und Kunden können wir im Grunde an jedem beliebigen Ort arbeiten. Und das tun Arbeitnehmende auch gerne: Sofern der Chef sein Okay gegeben hat, spricht schließlich auch nichts dagegen, hunderte Kilometer vom Unternehmenssitz seinen Job zu erledigen.
Anders sieht es aus, wenn man Laptop und Co. einfach ungefragt ins Ausland mitnimmt und hier ein paar erholsame Tage mit der Arbeit kombinieren möchte: Denn arbeiten von der Strandliege, in der Berghütte oder im Straßencafé am Urlaubsort ist immer dann keine gute Idee, wenn der Arbeitgeber keine Kenntnis davon hat. Dies ist nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern kann für das Unternehmen auch steuerrechtliche und sozialversicherungstechnische Probleme mit sich bringen. Neben einer Abmahnung droht jetzt sogar die Kündigung.
Besonders dreist: Arbeit geschickt vortäuschen
Einfach nur den Standort zu wechseln und von dort weiterzuarbeiten, ist jedoch noch ein vergleichsweise harmloses Verhalten: Schließlich gibt es auch Angestellte, die die Arbeit nur vortäuschen, während sie eigentlich im Urlaub sind. Damit das Nichtstun nicht auffällt, lassen sie sich besondere Tricks einfallen: So meldet man sich morgens mit dem Firmen-Account an und bewegt ab und an den Mauscursor, sodass der Eindruck entsteht, dass man aktiv ist. Es gibt sogar spezielle Programme, die automatisch dafür sorgen, dass der Mitarbeitende online bleibt. Hin und wieder wird dann eine E-Mail geschrieben, in der man Kollegen bittet, für einen eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen, da man selbst so „busy“ ist. Einen Anruf nimmt der Angestellte zwar nicht direkt an, in einer ruhigen Minute (und fernab des Urlaubstrubels) ruft er aber natürlich zurück – und sichert zu, eine bestimmte Aufgabe asap zu erledigen. Dass dies nicht vor dem Ende des „Urlaubs“ passiert, lässt er als wichtige Information dabei aus.
So viel Dreistigkeit geht nicht immer gut: Aufmerksamen Arbeitgebern dürfte und sollte auffallen, dass ihre Angestellten keine Leistung erbringen. Fliegt der Schwindel auf, dann können die Arbeitsschwindler aufgrund dieses nicht unerheblichen Betrugs mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Allerdings ist jetzt das Unternehmen zunächst am Zuge, schließlich muss es dem Mitarbeitenden nachweisen, dass er nicht gearbeitet hat.
Um genau diese Situationen zu vermeiden, lassen sich auch die Unternehmen einiges einfallen und statten ihr technisches Equipment beispielsweise mit GPS-Trackern aus. Darüber hinaus gibt es in vielen Betrieben (nicht zuletzt aus diesem Grund) auch immer mehr Arbeitstage mit Anwesenheitspflicht im Büro vor Ort. Für Angestellte bedeutet dies: lieber den Urlaub regulär nehmen und den eigenen Job nicht aufs Spiel setzen.
Urheber des Titelbildes: panophotograph/ 123RF Standard-Bild
Published by