Nach dem Abitur stellt sich für Absolventen die Frage, wie es nun weitergehen soll? Sollen sie sich an einer Hochschule für ein Studium einschreiben oder doch lieber eine Ausbildung absolvieren? Als Alternative steht auch das duale Studium zur Wahl, das Berufsausbildung und Hochschulstudium kombiniert.
Was Absolventen bei der Entscheidung beachten sollten, erklärt unser Ratgeber.
Vielzahl der Karrierewege – eine schwierige Entscheidung
Viele junge Menschen sind froh, wenn sie die Schule endlich hinter sich lassen können. Vor dem Start ins Berufsleben steht allerdings noch die weiterführende Ausbildung. Und da gibt es in Deutschland vielfältige Möglichkeiten: Das Studium an einer Universität oder Fachhochschule, die duale Berufsausbildung und das duale Studium sind für Abiturienten besonders interessant.
1. Das Hochschulstudium
Mehr als 400 Hochschulen bieten in Deutschland zahlreiche unterschiedliche Studiengänge an. Studierend besuchen Seminare und Vorlesungen und lernen zusätzlich zu Hause oder in der Bibliothek. Einige Fächer schließen Praxisphasen mit ein.
Voraussetzungen:
Vorausgesetzt werden für gewöhnlich die allgemeine Hochschulreife, also das (Fach-)Abitur. In einigen Fächern bestehen zusätzliche Zulassungsbeschränkungen wie ein Numerus clausus (NC), Eignungstest oder persönliche Gespräche. Alternativ ist das Studium mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufsausbildung möglich.
Abschlüsse und Dauer:
Bachelor (3 bis 4 Jahre), Master (nach abgeschlossenem Bachelorstudium, 1 bis 2 Jahre), Staatsexamen (3 bis 5 Jahre Studium, 2 bis 3 Jahre Praxisphase), Diplom (3 bis 4 Jahre)
Vorteile:
– Ein Studienabschluss eröffnet vielfältige Karrieremöglichkeiten, etwa die Arbeit in Wissenschaft und Forschung.
– Nach dem Studienabschluss besteht die Möglichkeit zur Promotion.
– Für zahlreiche Berufe wird ein Studienabschluss vorausgesetzt, etwa für Ärzte, Juristen oder Lehrer.
Nachteile:
– Bis zum berufsqualifizierenden Abschluss vergehen mehrere Jahre.
– Studierende erhalten kein Gehalt, also muss die Finanzierung geklärt werden (Eltern, BaföG, Studienkredit, Nebenjob, Stipendium)
– In den meisten Studiengängen müssen sich Studierende selbst darum bemühen, neben Vorlesungen und Seminaren auch praktische Erfahrungen zu sammeln.
Gut geeignet für:
Personen, die in Forschung und Lehre arbeiten möchten oder eine Führungsposition anstreben; Menschen, die sich gut selbst organisieren können.
2. Die duale Berufsausbildung
Die duale Berufsausbildung kombiniert die praktische Ausbildung im Betrieb mit der schulischen Ausbildung in einer Berufsschule. Rund 320 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe stehen zur Wahl, vom Handwerk über die Landwirtschaft bis hin zum öffentlichen Dienst.
Voraussetzungen:
Für gewöhnlich wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss vorausgesetzt. Absolventen bewerben sich beim Betrieb ihrer Wahl und schließen mit diesem einen Ausbildungsvertrag ab.
Abschluss und Dauer:
Staatlich anerkannter Berufsabschluss nach 2 bis 3,5 Jahren. Einzelheiten regelt die Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs.
Vorteile:
– Auszubildende arbeiten vom ersten Tag an praktisch im Betrieb mit und sammeln Berufserfahrung.
– Es wird eine Ausbildungsvergütung gezahlt.
– Es bestehen gute Chancen auf die Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb.
Nachteile:
– Da der Fokus auf der praktischen Ausbildung liegt, wird weniger theoretisches Wissen vermittelt.
– Die duale Berufsausbildung ist oft weniger flexibel als ein Studium, da Auszubildende an feste Arbeits- und Unterrichtszeiten gebunden sind.
– Die Ausbildungsvergütung ist meistens eher gering, zugleich gibt es weniger finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten als im Studium.
Gut geeignet für:
Personen, die am liebsten praktisch arbeiten und direkt nach der Schule Geld verdienen möchten.
3. Das duale Studium
Studierende, die sich für ein duales Studium entscheiden, absolvieren gleichzeitig ein Bachelorstudium an einer Hochschule und eine Berufsausbildung in einem Unternehmen. Die Unternehmen finanzieren das Studium mit der Hoffnung, qualifiziertes Personal zu gewinnen.
Voraussetzungen:
Für gewöhnlich wird die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt, alternativ eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung.
Abschluss und Dauer:
Bachelor (3 bis 4 Jahre), je nach Modell kann zusätzlich auch ein staatlich anerkannter Berufsabschluss erzielt werden.
Vorteile:
– Das duale Studium bietet eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis – mit einem höheren Theorieanteil als eine duale Ausbildung.
– Studierende erhalten eine Ausbildungsvergütung, die direkt mit eventuellen Studiengebühren verrechnet wird.
– Es gibt diverse Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung, etwa durch BAföG.
– Für gewöhnlich erfolgt nach dem Studienabschluss der direkte Berufseinstieg im ausbildenden Unternehmen.
Nachteile:
– Studium und Ausbildung sind gleichzeitig zu bewältigen. Der hohe Arbeitsaufwand erfordert viel Motivation und Disziplin.
– Studierende sind vertraglich an das ausbildende Unternehmen gebunden.
– Das duale Studium ist weniger flexibel als ein gewöhnliches Hochschulstudium.
Gut geeignet für:
Personen, die bereits eine konkrete Vorstellung davon haben, in welchem Unternehmen sie arbeiten möchten, die schon während des Studiums Geld verdienen möchten und die Führungspositionen anstreben.
Fazit: Frühzeitig informieren und flexibel bleiben
So vielfältig die Ausbildungsmöglichkeiten, so komplex gestaltet sich die Entscheidung. Das Abitur muss nicht zwangsläufig zum klassischen Hochschulstudium führen. Bevor sie sich für einen Weg entscheiden, sollten sich Abiturienten eingehend mit den Fragen beschäftigen, was sie später im Berufsleben erreichen möchten und welche Berufe überhaupt ihren Interessen entsprechen.
Da die Bewerbung für viele Ausbildungsgänge bereits ein Jahr im Voraus erfolgen muss, ist es ratsam, so früh wie möglich mit der Entscheidungsfindung zu beginnen. Dabei helfen unter anderem das Berufsinformationszentrum (BIZ) und institutionelle Bildungseinrichtungen. Natürlich können auch Bekannte und Verwandte, die bereits im Berufsleben stehen, wertvolle Tipps geben.
Urheber des Titelbildes: alexeilis / 123RF Standard-Bild
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