Springen Sie früh morgens energiegeladen aus dem Bett und haben das Gefühl, Bäume ausreißen zu können? Oder brauchen Sie erst einige Zeit, um „warmzulaufen“ und kommen erst am Nachmittag richtig in die Gänge?
Wann Sie besonders produktiv arbeiten, hängt von Ihrer persönlichen Leistungskurve ab, dem Biorhythmus. Das Zeitmanagement an den eigenen Biorhythmus anzupassen, hilft dabei, produktiver zu arbeiten, mehr zu schaffen und sich allgemein fitter zu fühlen.
Wie es Ihnen im Büroalltag gelingt, den Biorhythmus zu beachten, zeigen wir Ihnen im folgenden Artikel.
Chronobiologie: Wie die innere Uhr funktioniert
Jeder Mensch hat seine ganz eigene innere Uhr. Sie bestimmt, wann wir uns besonders fit und leistungsfähig fühlen. Wie britische Forscher am Beispiel von Leistungssportlern herausgefunden haben, verändert sich das Leistungsniveau um Tagesverlauf und schwankt um bis zu 25 Prozent.
Die innere Uhr ist übrigens keine Metapher, sondern lässt sich konkret im menschlichen Körper verorten: Sie sitzt im Hypothalamus, einem Bereich des menschlichen Gehirns, und trägt den wissenschaftlichen Namen Nucleus suprachiasmaticus. Gerade einmal so groß wie ein Reiskorn, besteht diese innere Uhr aus zahlreichen Nervenzellen. Direkt mit den Augen verbunden, nehmen die Nervenzellen Unterschiede zwischen Licht und Dunkelheit wahr und synchronisieren den Körper mit dem Tag-Nacht-Rhythmus.
Zusätzlich zur inneren Hauptuhr verfügt auch jede Körperzelle über eigene Uhr-Gene, die über Nerven- oder Hormonsignale vom Gehirn aus aktiviert werden. Die innere Uhr steuert beispielsweise die Ausschüttung des „Schlafhormons“ Melatonin, die Körpertemperatur, Blutdruck und Stoffwechsel. Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit diesen Prozessen beschäftigt, heißt Chronobiologie.
Biorhythmus: Die persönliche Leistungskurve
Das Konzept des Biorhythmus stammt aus der Arbeitspsychologie. Es soll dazu beitragen, förderliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, indem Beschäftigte ihre Tätigkeiten auf ihr schwankendes Leistungsniveaus abstimmen können. Das soll auch den Unternehmen Vorteile bringen, da Mitarbeiter, die ihren eigenen Biorhythmus berücksichtigen, produktiver zu Werke gehen.
Wann wir besonders leistungsfähig sind, ist weitgehend genetisch festgelegt. Die durchschnittliche Leistungskurve eines Menschen erreicht ihre Spitze zwischen 9 und 10 Uhr morgens – mit einem zweiten Leistungshoch zwischen 16 und 17 Uhr. Morgens lassen sich vor allem geistige Tätigkeiten erledigen, während nachmittags die körperliche Leistungsfähigkeit steigt.
Biorhythmus – die verschiedenen Chronotypen
Darüber hinaus unterscheidet die Chronobiologie zwischen verschiedenen Chronotypen:
1. Lerchen (ca. 70 Prozent aller Menschen) sind Frühaufsteher und Morgenmenschen, die ihr Leistungshoch früh am Tag erreichen. Im Gegenzug werden sie am Abend früher müde.
2. Eulen (ca. 20 Prozent der Menschen) sind Abendmenschen. Sie kommen morgens meist schwer aus dem Bett und erreichen ihr Leistungshoch am Nachmittag oder Abend.
3. Tauben liegen zwischen diesen beiden Typen. Sie gehen nicht allzu spät ins Bett und haben keine Schwierigkeiten, morgens aufzustehen.
Gegen die innere Uhr zu leben, kann gesundheitliche Folgen haben. Das merken vor allem Nacht- und Schichtarbeiter. In einer US-amerikanischen Studie hat sich das Wechselschicht-Modell mit Früh-, Tag- und Spätschichten als besonders ungünstig herausgestellt. Fünf Jahre Arbeit im Schichtdienst führen demnach zu einem um elf Prozent erhöhten Sterberisiko.
Negative gesundheitliche Auswirkungen zeigen sich schon bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. Wie Studien belegen, kommt es in der Woche nach der Umstellung auf Sommerzeit zu einem signifikanten Anstieg von Migräneattacken. Auch die Zahl von Herzinfarkten nimmt in diesem Zeitraum zu.
Zeitmanagement nach der inneren Uhr: So funktioniert es
Der eigene Chronotyp lässt sich genetisch bestimmen. Statt sich aufwendigen Tests zu unterziehen, können Sie aber auch einfach über einige Zeit hinweg notieren, wann Sie sich besonders leistungsfähig fühlen und wann Ihre Produktivität nachlässt. So finden Sie Ihren eigenen Biorhythmus heraus. Online finden sich auch verschiedene Tests und Fragebögen zu diesem Zweck.
Die Herausforderung besteht nun darin, das Zeitmanagement im Büroalltag an den eigenen Biorhythmus anzupassen. Viele Beschäftigte haben nur begrenzte Möglichkeiten dazu. Mit diesen Tipps kann es dennoch gelingen, Ihre Produktivität zu steigern:
– Überprüfen Sie Ihre Routinen. Viele Menschen starten den Arbeitsalltag damit, E-Mails abzuarbeiten. Doch fühlen Sie sich morgens besonders fit, erledigen Sie am besten kreative und fordernde Aufgaben.
– Routineaufgaben sollten Sie auf die Zeiten verlegen, in denen Ihre Konzentrationsfähigkeit nachlässt.
– Legen Sie Meetings und Kundengespräche nach Möglichkeit ebenfalls in die Zeiten Ihres Leistungshochs.
– Die Leistungskurve schwankt für gewöhnlich im 90-Minuten-Takt. Versuchen Sie also, alle 90 Minuten eine kurze Pause einzulegen. Vertreten Sie sich kurz die Beine, strecken Sie sich, atmen Sie tief durch oder schließen Sie für ein paar Minuten die Augen.
Zeitmanegement-Apps können bei der Planung des Arbeitsalltags helfen.
Mehr Produktivität durch flexible Arbeitszeiten
Unternehmen können durchaus davon profitieren, ihren Mitarbeitenden bei der Arbeitszeitgestaltung mehr Freiraum einzuräumen. Das gelingt beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten und hybride Modelle, die Präsenzarbeit und Homeoffice kombinieren.
Gerade die Arbeit im Homeoffice gibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, ihre Tätigkeiten an den eigenen Biorhythmus anzupassen. Leistungshoch lassen sich für kreative und analytische Aufgaben nutzen. Nimmt die Leistungsfähigkeit ab, kann man sich privaten Dingen widmen, zum Beispiel den Wocheneinkauf erledigen oder auch einen kurzen Mittagsschlaf einlegen.
Urheber des Titelbildes: max776 / 123RF Standard-Bild
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