Wo unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten, kommt es nicht selten zu Konflikten. Das ist ganz normal. Schwelen diese Konflikte aber unausgesprochen vor sich hin, kann das die Teamarbeit gefährden. Auf lange Sicht leiden Produktivität und Arbeitsergebnisse.
Heikle Themen im Team anzusprechen, ist keine einfache Aufgabe. Wir haben daher einige Tipps zusammengestellt, wie Sie unangenehme Dinge am besten zur Sprache bringen.
Konfliktpotenzial im Team
Konflikte im Team können sich an ganz unterschiedlichen Themen entzünden. Ein typischer Grund ist etwa die Arbeitsverteilung: Eventuell fühlen Sie sich zu wenig wertgeschätzt, da Ihnen stets nur Routineaufgaben zugeteilt werden, während sich Kollege A die Rosinen herauspickt. Auch die Einführung neuer Arbeitsmethoden kann zu Konflikten führen. So kommen jüngere Kollegen häufig besser mit digitalen Tools zurecht, ältere hinken hinterher.
Bei der Kommunikation im Team selbst läuft ebenfalls nicht immer alles glatt. Vielleicht gibt es da diesen einen Kollegen, der andere nie ausreden lässt oder der in ernsten Situationen mit anzüglichen Witzen nervt. Oder es gibt ein neues Teammitglied, das alles besser weiß und gleich gewohnte Abläufe umstrukturieren möchte.
Schließlich kann es vorkommen, dass sich private Probleme eines Kollegen auf die Zusammenarbeit im Team auswirken. Sei es, weil der entsprechende Kollege abgelenkt ist, häufiger fehlt oder sich plötzlich gehen lässt.
Schweigen ist keine Option
Was auch immer die Teamarbeit belastet: Sprechen Sie die Probleme nicht an, können Sie sie nicht lösen. Viele Menschen fürchten sich jedoch, das offene Gespräch zu suchen. Sie haben Angst, als Querulant dazustehen, möchten nicht aus der Gruppe ausbrechen oder negativ auffallen oder haben Angst, Kollegen zu verletzen, wenn sie ihre Kritik zur Sprache bringen.
Schweigen hat allerdings negative Konsequenzen. Werden Konflikte nicht offen angesprochen, wird oft hintenrum getuschelt. Lästern verschafft vielleicht Luft, löst aber nicht das Problem. Bleiben die Konflikte länger bestehen, führt das zu Frust, die Zusammenarbeit verschlechtert sich weiter, die Arbeitsergebnisse leiden.
So sprechen Sie heikle Themen richtig an
Unausgesprochene Konflikte fressen Energie. Fassen Sie sich also den Mut, unangenehme Themen zur Sprache zu bringen. So gehen Sie dabei vor:
1. Bereiten Sie das Gespräch vor
Fragen Sie sich zunächst, aus welcher Motivation heraus Sie das Gespräch führen möchten. Im besten Falle wollen Sie helfen, die Zusammenarbeit im Team wieder zu verbessern. Es sollte Ihnen also nicht darum gehen, Kollegen für wahrgenommenes Fehlverhalten zu verurteilen oder zu bestrafen, sondern darum, gemeinsame Lösungen zu finden.
Im zweiten Schritt formulieren Sie, was genau das Problem ist. Macht ein Kollege anzügliche Bemerkungen, die Ihnen unangenehm sind!? Vernachlässigt ein Teammitglied seine Aufgaben?
Die dritte Frage schließlich lautet: Was möchten Sie konkret mit dem Gespräch erreichen? Welches Ergebnis wollen Sie erzielen? Notieren Sie sich Ihre Ziele in kurzen Sätzen.
Tipp: Üben Sie das Gespräch vorher! Entweder mit einem neutralen Gesprächspartner oder auch allein, indem Sie sich zum Beispiel mit dem Mikro oder der Kamera Ihres Smartphones aufzeichnen. Das erlaubt Ihnen, an Ihren Formulierungen zu feilen und gibt Ihnen mehr Sicherheit.
2. Legen Sie den passenden Gesprächsrahmen fest
Heikle Themen sollten Sie nicht zwischen Tür und Angel ansprechen. Vereinbaren Sie am besten zuvor einen Termin oder wählen Sie einen Zeitpunkt, in dem Sie und Ihre Gesprächspartner einen ruhigen Augenblick haben.
In der Regel ist es ratsam, unangenehme Dinge unter vier Augen anzusprechen. Bei gewissen Konflikten kann es jedoch hilfreich sein, neutrale Zeugen hinzuzuziehen. Betrifft der Konflikt das gesamte Team, sollten alle Teammitglieder anwesend sein.
Suchen Sie sich einen möglichst ungestörten Ort und sorgen Sie dafür, dass Sie ohne Unterbrechungen reden können. Schalten zum Beispiel Ihr Handy aus.
3. Beachten Sie die Regeln für eine konstruktive Kommunikation
Ein gutes, konstruktives Gespräch folgt gewissen Regeln:
– Sprechen Sie das Problem klar und direkt an, ohne lange um den heißen Brei herumzureden.
– Bleiben Sie sachlich. Wählen Sie möglichst neutrale Formulierungen, ohne Wertungen. Nennen Sie nachprüfbare Fakten. Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass du in der letzten Woche zwei Mal zu spät gekommen bist und einmal früher nach Hause gegangen bist.“
– Verwenden Sie Ich-Formulierungen und schildern Sie, wie Sie das als problematisch empfundene Verhalten wahrnehmen. Beispiel: „Ich habe bemerkt, dass Sie Kollegin B in den Teammeetings mit anzüglichen Bemerkungen ins Wort fallen, was ihr sehr unangenehm zu sein scheint. Ich finde das ebenfalls unangemessen.“
– Bleiben Sie freundlich, wertschätzend und respektvoll. Reagiert Ihr Gegenüber dennoch gekränkt oder wütend, ist es besser, das Gespräch abzubrechen und später einen erneuten Versuch zu wagen.
Wann ein Mediator sinnvoll ist
Hat sich die Situation bereits so sehr verschärft, dass konstruktive Gespräche im Team nicht mehr möglich erscheinen, kann es sinnvoll sein, einen professionellen Mediator hinzuzuziehen. Als unabhängige, neutrale Vermittler setzen sich Mediatoren mit allen Teammitgliedern zusammen und helfen dabei, Probleme offen anzusprechen.
Das Ziel der Mediation besteht darin, gemeinsame Vereinbarungen zur Konfliktlösung zu erarbeiten. Studien zufolge gelingt das in rund 85 Prozent aller Fälle. Mithilfe einer Mediation lassen sich beispielsweise auch gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden.
Urheber des Titelbildes: z1b / 123RF Standard-Bild
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