Duzen und Siezen

Anders als etwa in englischsprachigen Ländern tritt bei der Kommunikation an deutschen Arbeitsplätzen ein Problem auf: Spricht man die Kollegen mit “Du” oder “Sie” an? Und wie verhält es sich mit den Vorgesetzten?

Was es beim Duzen und Siezen am Arbeitsplatz zu beachten gilt, zeigt dieser Artikel.

Du oder Sie – eine Frage der Firmenkultur

Deutsche gelten international eher als reserviert. Das Duzen im Job ist dennoch auf dem Vormarsch. In deutschen Unternehmen duzen sich 70,4 Prozent der Mitarbeiter untereinander. Das geht aus einer Umfrage des Jobportals Indeed aus dem Jahr 2016 hervor. 3,8 Prozent der Beschäftigten siezen ihre Kollegen und Kolleginnen. Insgesamt 47,6 Prozent richten ihre Ansprache nach der Hierarchiestufe des Gesprächspartners.

Ob am Arbeitsplatz das Du oder Sie vorherrscht, ist in erster Linie eine Frage der Firmenkultur. In Start-ups herrschen eher flache Hierarchien, hier duzen sich in der Regel alle Mitarbeiter. In Traditionsunternehmen werden zumindest Vorgesetzte und ältere Mitarbeiter meist gesiezt.

Wie eine Erhebung von Statista.de und YouGov zeigt, ist das Du am Arbeitsplatz unter den Jüngeren weiter verbreitet als unter den Älteren. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen duzen 72 Prozent ihre Kolleginnen und Kollegen. In der Altersgruppe der über 55-Jährigen sind es 66 Prozent. Mit ihren Vorgesetzten sind 29 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 33 Prozent der 25- bis 34-Jährigen per Du, während dies nur bei 17 Prozent der über 55-Jährigen der Fall ist. Zwölf Prozent der älteren Beschäftigten duzen niemanden am Arbeitsplatz.

Wer bietet wem das Du an?

Wer wem das Du anbieten darf, regelt der Knigge. Diese Vorgaben gelten am Arbeitsplatz:

  • Frauen bieten Männern das Du an.
  • Ältere Kolleginnen und Kollegen derselben Hierarchiestufe bieten Jüngeren das Du an.
  • Vorgesetzte bieten Untergebenen das Du an – unabhängig von Geschlecht und Alter.

Kommen Sie neu in eine Firma, sollten Sie am Anfang beim Sie bleiben und abwarten, bis man Ihnen das Du anbietet. Ein einmal angebotenes Du gilt übrigens ein Leben lang und kann nicht einfach wieder zurückgenommen werden. Steigt ein geduzter Kollege zum Vorgesetzten auf, bleiben Sie weiterhin beim Du. Darüber hinaus ist das Duzen immer wechselseitig. Spricht Ihr Chef Sie mit Du an, dürfen Sie ihn daher ebenfalls duzen.

Fühlen Sie sich beim Duzen unwohl, können Sie ein angebotenes Du auch ablehnen. Bleiben Sie dabei höflich und respektvoll. Das Angebot zum Duzen geht meist mit Wertschätzung und Dank einher. Lehnen Sie es ab, kann dies leicht missverstanden werden. Erklären Sie gegebenenfalls, warum Sie sich mit dem Du nicht wohlfühlen.

Duzen oder Siezen – die Vor- und Nachteile

Das Duzen am Arbeitsplatz schafft generell einen lockereren Umgangston. Das hat Vor-, aber auch Nachteile.

Vorteile des Duzens am Arbeitsplatz:

  • Vertrauterer Umgangston.
  • Flachere Hierarchien.
  • Offene Firmenkultur.
  • Stärkt Gemeinschaftsgefühl und Teamgeist.
  • Fördert ein partnerschaftliches Klima.
  • Baut Barrieren ab.

Nachteile des Duzens am Arbeitsplatz:

  • Kann zu viel Nähe erzeugen.
  • Senkt Hemmschwellen, die zu einem rüden Umgangston oder gar zu Belästigungen führen können.
  • Kann verbale Entgleisungen fördern.
  • Fehlende Distanz führt eventuell zu mangelndem Respekt.

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