Aussterbende Berufe in Deutschland und weltweit

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Rostige Steuereinheit in einem alten, verlassenen Fabrikgebäude

Nicht nur viele Tierarten sind leider vom Aussterben bedroht, auch einige traditionelle, überwiegend handwerkliche Berufe. Im Tierreich verbreitet der Mensch durch die Ausbeutung der Natur und Umweltverschmutzung Angst und Schrecken. Im Arbeitsleben sind es Industrialisierung, Globalisierung und Digitalisierung, die viele Berufe obsolet machen.

In den folgenden Absätzen beschreiben wir Jobs, um die wir früher oder später werden trauern müssen. Einige Berufsbilder sind bereits heute so unbekannt, dass der Verlust wohl nur wenige Mitmenschen tangieren wird.

Vom Aussterben bedroht: Die Blümlerinnen

Bei den Blümlerinnen handelt es sich um sogenannte Kunstblumenfacharbeiterinnen. Die letzten ihrer Art arbeiten in Sebnitz, einem kleinen Ort am Rande des Elbsandsteingebirges. Während es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ca. 15.000 Blümlerinnen gab, sind es heute nur noch um die zehn.

Aber was macht einer Blümlerin genau? Sie stellt Kunstblumen her. Aber nicht aus Plastik und Kunststoffen, sondern aus Seide, Samt und Taft. Diese Stoffe werden entsprechend in Form gebracht und dann liebevoll gefärbt. So entstehen echte Unikate, die sich qualitativ deutlich von Plastik-Kunstblumen absetzen.

Leider lässt sich dieses Handwerk heutzutage nicht mehr gewinnbringend betreiben. Heute arbeiten die Blümlerinnen für die Stadt Sebnitz. Zwar rechnet sich der Betrieb nicht mehr, dafür sorgen viele Touristen, die den Kunstblumenfacharbeiterinnen über die Schulter schauen, für zusätzliche Einnahmen.

Vom Aussterben bedroht: Der Bürstenmacher

Der Bürstenmacher bzw. Bürstenbinder geht einem altehrwürdigen Handwerk nach. In China gab es bereits 2.000 vor Christus Bürsten für die Körperpflege und sogar Zahnbürsten. In Deutschland sind Bürstenmacher seit ca. 1400 bekannt. 1550 entstand in Nürnberg die erste Bürstenmacherzunft. Zu seinen Endprodukten gehören z.B. Kleiderbürsten, Schuhbürsten, Kratzbürsten und Kopf- und Haarbürsten, aber auch Pinsel in verschiedenen Ausfertigungen.

Schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kämpft der Berufsstand mit dem technologischen Fortschritt. Im Zuge der frühen Industrialisierung gab es bereits Maschinen, die die Arbeit der Bürstenmacher (teilweise) übernehmen konnten. Heutzutage sind Bürsten ein Massenprodukt, das größtenteils aus Kunststoffen besteht und meistens in Asien gefertigt wird.

In Deutschland gibt es nur noch eine einzige Berufsschule, an der man – abwechselnd mit der Arbeit im Lehrbetrieb – die Ausbildung absolvieren kann. Diese Schule befindet sich in Bechhofen in Mittelfranken.

Vom Aussterben bedroht: Der Köhler

Die Aufgabe des Köhlers (oder Kohlbrenners) ist es, Holzkohle herzustellen. Diese Tätigkeit gehört zu den ältesten handwerklichen Techniken überhaupt. Seit dem Altertum wird mit Hilfe von Kohlenmeilern Holzkohle hergestellt.

Für einen Kohlenmeiler wird ein halbkugel- oder kegelförmiger Holzhaufen angelegt, der mit langen Holzscheiten umrandet wird. Über den Haufen wird ein luftdichtes Dach aus Tannenästen, Laub, Heu, Gras, Moos und Erde gelegt. Dann wird der Kohlenmeiler angezündet. Das Holz soll nun nicht brennen, sondern langsam verkohlen.

Die Kunst des Köhlers besteht darin, über mehrer Tage oder Wochen das Gleichgewicht zwischen zu viel und zu wenig Luftzufuhr zu halten. Hinweise auf das eine oder andere gibt ihm dabei die Farbe des aufsteigenden Rauches. Ist das Holz zu Holzkohle geworden, schließt der Köhler alle Luftlöcher. Jetzt dauert es noch mindestens 12 Stunden, bis die Holzkohle ausgekühlt ist. Aus 100 kg Holz kann man auf diese Weise ca. 30 kg Holzkohle gewinnen.

Dieser aufwendige Herstellungsprozess wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt durch industrielle Fertigung ersetzt. In Deutschland gibt es nur noch sehr wenige Handwerkliche Köhler. Zum Glück gibt es jedoch Vereine, die die Fahne für die Köhlerei weiterhin aufrecht halten, so dass das Handwerk weiter in Erinnerung bleibt.

Wenn es um aussterbende Berufe geht, lohnt sich auch ein Blick über die deutschen Landesgrenzen hinaus. In manchen Ländern gibt es noch Jobs, von denen viele Menschen hierzulande garantiert noch nie gehört haben …

Vom Aussterben bedroht: Der Ohrenreiniger

Nein, wir sprechen hier nicht vom Ohrenkneifer, der übrigens nicht vom Aussterben bedroht ist. Wir meinen tatsächlich den Ohrenreiniger. Diesen Job üben nur noch wenige Personen aus, z.B. in Bangladesch. Dort gehörten Sie lange Zeit zum Straßenbild wie andernorts die Schuhputzer. Heutzutage reinigen die Menschen Ihre Ohren i.d.R. mit Wattestäbchen selbst.

Vom Aussterben bedroht: Der Gnomonist

Bei einem Gnomonisten handelt es sich nicht um einen ausländischen Hersteller von gartenzwergähnlichen Figuren. Stattdessen ist es die Aufgabe des Gnomonisten, Sonnenuhren einzurichten. Dieses Handwerk hat z.B. in Italien eine lange Tradition und wird heute nur noch selten nachgefragt.

Vom Aussterben bedroht: Die Regenschirm-Reparateurin

Heutzutage kommt kaum jemand auf die Idee, seinen kaputten Regenschirm in eine darauf spezialisierte Werkstatt zu bringen. In manchen Teilen der Welt, z.B. in Belgrad, war das über Jahrzehnte anders. Doch auch mittlerweile kaufen die Menschen dort die günstigen Regenschirme, die meistens in Asien hergestellt werden. Aber vielleicht hat der Beruf doch noch eine Zukunft, denn Nachhaltigkeit ist wieder in. Und dazu gehört, nicht immer Neues zu kaufen, sondern Gebrauchtes wieder zu reparieren.

Urheber des Titelbildes: unkreatives/ 123RF Standard-Bild


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