Was sagt der Schreibtisch über den (Büro)Charakter aus? / auf dem Foto: Man sieht einen sehr unordentlichen Schreibtisch aus der Vogelperspektive. Neben Ordnern und Dokumenten findet man auch viele Gegenstände, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, z.B. private Fotos.

Was sagt der Schreibtisch über den (Büro)Charakter aus?

Während die einen Kollegen das Notebook parallel zur Schreibtischkante ausrichten und ihre Kugelschreiber nach Farbe sortiert nebeneinander aufbewahren, herrscht auf den Schreibtischen anderer das reinste Chaos. Mal ehrlich – beim Anblick dieser verschiedenen (Un)Ordnungssysteme können Sie es sich wahrscheinlich nicht verkneifen, Rückschlüsse auf den Charakter zu ziehen.

Doch was sagt der Schreibtisch wirklich über Charakter und Arbeitseinstellung eines Menschen aus? Verbirgt sich hinter einem unordentlichen Arbeitsplatz auch ein chaotischer Geist? Arbeiten ordentliche Menschen tatsächlich strukturierter?

Wir werfen einen Blick auf die Studienlage.

Die fünf Schreibtischtypen und ihre Persönlichkeiten

Unterschiedliche Menschen gestalten auch ihre Arbeitsplätze unterschiedlich. Die Umweltpsychologin Lily Bernheimer hat sich Büroschreibtische genauer angesehen und fünf „Schreibtischtypen“ identifiziert:

1. Der Messie stapelt am Arbeitsplatz Unterlagen, benutztes Geschirr und diverse Souvenirs, die gar nichts mit der Arbeit zu tun haben. Bernheimer zufolge sitzen an solchen Schreibtischen Menschen, die gesellig und extrovertiert sind, die sich schnell langweilen und gerne mal ein „Pläuschchen“ mit den Kollegen einlegen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich meist mitten im Geschehen, da sie sich im Trubel am besten entfalten können.

2. Der Beobachter zieht sich dagegen am liebsten in eine ruhige Ecke des Büros zurück. Schützende Trennwände schirmen ihn – und seinen Schreibtisch – von äußeren Einflüssen ab. Auf den ersten Blick wirken Beobachter oft wenig hilfsbereit und in sich gekehrt. Lässt man sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen, erweisen sie sich aber als äußerst produktiv und kreativ.

3. Der Minimalist strebt nach Ordnung. Auf seinem Schreibtisch findet sich nur, was für die Arbeit tatsächlich nötig ist, fein säuberlich sortiert. Minimalisten wirken gut strukturiert, gewissenhaft, diszipliniert und zuverlässig. Allerdings sagt man ihnen auch einen Mangel an Kreativität nach. Ein überwiegend leerer Schreibtisch ohne persönliche Gegenstände kann zudem darauf schließen, dass sich ein Arbeitnehmer mit seiner Stelle nicht vollkommen wohlfühlt und keine Wurzeln schlagen möchte.

4. Der Ausbreiter hat sein natürliches Habitat im Großraumbüro, wo er seine zahlreichen Akten, Tassen und Notizen großzügig auf die Tische der Kollegen verteilt. Auf diese Weise markiert er sein Revier. Ausbreiter gelten als eher dominant und wenig einfühlsam. Wie Bernheimer anmerkt, könne sich jedoch an Arbeitsplätzen, die wenig Freiraum zur eigenen Gestaltung bieten, jeder zum Ausbreiter entwickeln.

5. Der Personalisierer verziert seinen Schreibtisch mit Fotos, Pflanzen und stylischen Stiftehaltern. Ihren Arbeitsplatz nehmen Personalisierer besonders gerne am Fenster ein, wo sie den Blick und die Gedanken schweifen lassen können. Sie möchten sich bei der Arbeit wohlfühlen und gelten als eher extrovertierte, kreative und intellektuelle Menschen. Ihnen wird zudem nachgesagt, dass sie häufiger mit ihrem Job zufrieden sind als andere Typen.

Arbeitsplatz mit Außenwirkung

Der Schreibtisch ist nun nicht nur Ihr persönlicher Arbeitsplatz, er hat auch Außenwirkung. Bewusst oder unbewusst versuchen viele Menschen, ihren Schreibtisch so einzurichten, wie sie von anderen wahrgenommen werden wollen.

Nicht zu unrecht: Wie eine Studie des US-amerikanischen Marketing-Unternehmens marketo herausgefunden hat, beurteilen nämlich 57 Prozent der Befragten ihre Kollegen nach dem Zustand ihres Schreibtisches. In einer Umfrage des Online-Magazins Ergotopia geben gar 83 Prozent der befragten Chefs an, dass sie Mitarbeitende mit unordentlichem Schreibtisch für weniger professionell halten.

Auch eine Befragung des britischen Psychologen Cary Cooper kommt zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte Mitarbeiter mit ordentlichen Schreibtischen bevorzugen. Schmutzige Kaffeetassen am Arbeitsplatz, Berge an Notizen und vielleicht sogar herumliegende vertrauliche Dokumente sehen sie oft als Zeichen für eine desolate und wenig zielstrebige Persönlichkeit ohne Führungsqualitäten an. Ein zu unordentlicher Schreibtisch kann also Ihrer Karriere im Weg stehen.

Ordentliche Effizienz oder kreatives Chaos?

Doch arbeiten Beschäftigte mit ordentlichen Schreibtischen tatsächlich produktiver? Eine Studie der Universität von Minnesota bestätigt diese Annahme. Ein aufgeräumter Schreibtisch führt demnach dazu, dass Büroangestellte gewissenhafter arbeiten, sich großzügiger verhalten und sogar gesünder ernähren.

Ein ordentlicher Arbeitsplatz fördert zudem die Effizienz. Hat alles seinen festen Platz, verbringen Sie viel weniger Zeit damit, wichtige Dinge zu suchen. Wo wenig herumsteht, gibt es zudem auch weniger Einflüsse, die Sie von der Arbeit ablenken.

Dieselbe Studie kommt jedoch noch zu einem anderen Schluss: Auch Chaos kann seine Vorteile haben. Ein unordentliches Umfeld kann nach Ansicht der Studienautoren dazu inspirieren, aus alten Denkmustern auszubrechen, unkonventionelle Lösungen zu finden und kreativer zu werden. Das Prinzip dahinter: Unbewusst streben alle Menschen nach Ordnung. Konfrontierten die Studienautoren Probanden mit chaotischen Arbeitsplätzen, versuchten diese zunächst aufzuräumen.

War die Unordnung jedoch so groß, dass schnelles Aufräumen unmöglich wurde, verlegten sich die Probanden darauf, den einfachsten Lösungsweg zu finden. Der Produktivität ist Chaos also nicht unbedingt zuträglich – es kann aber dabei helfen, sich bei der Suche nach unkonventionellen Lösungen auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Hin und wieder sollten Sie Ihren Schreibtisch dennoch aufräumen, zum Beispiel zum Ende eines Projekts. Nicht mehr benötigte Unterlagen abzuheften und alte Notizen zu entsorgen ist ein Signal, mit einer Sache abzuschließen. Physisch wie auch geistig schaffen Sie so den Freiraum, sich auf etwas Neues zu konzentrieren.

Urheber des Titelbildes: vectorwin / 123RF Standard-Bild

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