Zwischen Weihnachten und Silvester arbeiten: Pflicht oder Kür? Auf dem Foto: Frau, die am Laptop arbeitet – vor ihr ein Glas Sekt und eine Silvestergirlande, im Hintergrund ein geschmückter Weihnachtsbaum

Arbeiten zwischen den Jahren – Pflicht, Privileg oder beides?

Zu keiner anderen Zeit im Jahr ist es in den Büros so leer wie in der Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr. Da viele Mitarbeitende freihaben, ist meist nur ein kleiner Teil der Belegschaft vor Ort. Wo sonst betriebsame Hektik herrscht, läuft die Arbeit nun deutlich entschleunigt ab. Doch wer arbeitet eigentlich in dieser Phase? Und lohnt es sich überhaupt, zwischen den Jahren ins Büro zu kommen?

Was bedeutet es, „zwischen den Jahren“ zu arbeiten?

Der Ausdruck beschreibt die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr – konkret vom 27. bis zum 31. Dezember. In diesem Zeitraum läuft vieles auf Sparflamme: Projekte ruhen, Kunden sind schwer erreichbar und selbst der E-Mail-Eingang zeigt nur wenige neue E-Mails an. Trotzdem bleiben die Büros oft nicht komplett leer. Schließlich müssen in vielen Unternehmen bestimmte Aufgaben erledigt und der Betrieb aufrechterhalten werden.

2025 fällt die Woche „zwischen den Jahren“ so: Heiligabend, der 24. Dezember, ist ein Mittwoch, der 25. und 26. sind Feiertage, danach folgen Samstag und Sonntag. Wer bis Neujahr gar nicht arbeiten möchte, muss sich den 29., 30. und (halbtags) den 31. Dezember freinehmen. Für viele Beschäftigte sind das gerade einmal 2,5 zusätzliche Urlaubstage (bei 12 freien Tagen am Stück) – und für andere eine gute Gelegenheit, die Ruhe im Büro zu nutzen.

Wer arbeitet in der Nachweihnachtszeit – und wer entscheidet das?

Ob gearbeitet wird, hängt meist von der Branche und von den internen Abläufen ab. In Dienstleistungsbereichen, im Einzelhandel oder in Supportabteilungen bleibt die Arbeit oft notwendig, während etwa in der Verwaltung oder in Agenturen viele Aufgaben ruhen.

Grundsätzlich entscheidet der Arbeitgeber, ob das Unternehmen zwischen den Jahren schließt oder geöffnet bleibt. Manche Betriebe nutzen jetzt Betriebsferien und ordnen eine gemeinsame Pause an, andere überlassen die Wahl ihren Teams bzw. den einzelnen Mitarbeitenden. Häufig gilt jedoch die Vorgabe, dass eine Notbesetzung vor Ort sein muss.

Wenn sich niemand freiwillig meldet, trifft der Arbeitgeber eine Entscheidung, wer Urlaub erhält. Dabei werden häufig Mitarbeitende mit familiären Verpflichtungen, etwa für die Kinderbetreuung, bevorzugt berücksichtigt. Alternativ kommt in manchen Unternehmen das Reihum-Prinzip zum Einsatz, bei dem die Notbesetzung im jährlichen Wechsel eingesetzt wird. Wer keinen Urlaub beantragt oder keinen genehmigt bekommt, arbeitet regulär weiter.

Welche Vorteile hat das Arbeiten zwischen den Jahren?

So leer wie das Büro ist, so konzentriert lässt sich jetzt dort arbeiten. Schließlich stehen keine Meetings an, es gibt keine Rückfragen und auch der alltägliche Bürolärm ist schlichtweg nicht vorhanden. Stattdessen gibt es Raum für Aufgaben, die sonst im Tagesgeschäft untergehen. Viele nutzen die Tage zum Aufräumen, für Jahresabschlüsse oder zum Sortieren von Unterlagen. Auch strategische Themen, die sonst zu kurz kommen, lassen sich in dieser stilleren Phase gut anstoßen.

Ein weiterer Pluspunkt: Wer jetzt arbeitet, spart Urlaubstage. Gerade wenn Anfang Januar größere Projekte starten, kann es sinnvoll sein, sich die freien Tage für später aufzusparen. Und nicht zuletzt: Wer Präsenz zeigt, wenn andere pausieren, kann sich positiv bemerkbar machen.

Und welche Nachteile bringt es mit sich?

Die Kehrseite ist offensichtlich: Während Freunde und Familie die Feiertage verlängern, bleibt für die eigene Erholung wenig Raum. Wer arbeitet, während andere abschalten, riskiert das Gefühl, etwas zu verpassen. Auch organisatorisch kann es anstrengend sein: Viele Ansprechpartner sind schließlich im Urlaub, Lieferketten verzögern sich und Entscheidungen dauern länger. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass die Arbeit ins Leere läuft und nicht produktiv ist.

Hinzu kommt: Nicht jeder kann sich in der ungewohnten Ruhe konzentrieren. Manche empfinden die stillen Bürotage als träge oder gar demotivierend, besonders dann, wenn eine klare Struktur und die Kollegen fehlen.

Wie lässt sich die Zeit sinnvoll nutzen?

Wer zwischen den Jahren arbeitet, kann die ungewohnt ruhige Atmosphäre gezielt einsetzen, um liegengebliebene Aufgaben abzuschließen oder das neue Jahr vorzubereiten. Wichtig ist, diese Tage nicht als „Lückenfüller“ zu betrachten, sondern bewusst zu strukturieren.

Ein klarer Plan hilft, die begrenzte Arbeitszeit sinnvoll zu gestalten. Hier einige Tipps:

  • Diese Tage eignen sich gut, um das Büro oder den digitalen Arbeitsplatz zu ordnen, zum Beispiel um E-Mails zu sortieren, Dateien zu bereinigen und die Ablage zu aktualisieren.
  • Auch die strategische Planung lässt sich jetzt angehen: Strukturieren Sie Projekte für das kommende Jahr, prüfen Sie Deadlines oder entwerfen neue Routinen.
  • Wer kreativ arbeitet, kann die Stille nutzen, um Ideen zu sammeln, Brainstormings nachzuholen oder Konzepte zu verfeinern.
  • Der Zeitpunkt ist zudem ideal, um alte Job-Kontakte aufzufrischen oder Kollegen zu danken, mit denen man im neuen Jahr wieder zusammenarbeitet.

Gleichzeitig lohnt es sich, diese Tage nicht zu überfrachten. Die ruhige Phase lebt davon, dass sie anders ist als der Alltag. Kleine Pausen, kürzere To-do-Listen und ein bewusster Umgang mit der Zeit helfen, das Jahresende nicht nur zu überstehen, sondern als sauberen Übergang zu gestalten.

Urheber des Titelbildes: jackf / 123RF Standard-Bild

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