Arbeitssucht: Wenn der Job alles ist

Viel zu arbeiten, gilt als Zeichen von Ehrgeiz und Erfolg. Doch nicht jeder lange Arbeitstag ist ein gutes Zeichen. Wenn der Job dauerhaft den Takt vorgibt, Pausen schwerfallen und selbst die freie Zeit gedanklich von der Arbeit besetzt bleibt, geht es längst nicht mehr nur um Motivation. Aber wann genau wird der volle Einsatz eigentlich zur Arbeitssucht?

Arbeitssucht: Was ist das?

Arbeitssucht, auch als „Workaholismus“ bekannt, beschreibt ein übermäßiges und zwanghaftes Bedürfnis, zu arbeiten. Es geht weit über die gute Arbeitsmoral hinaus, die in vielen Berufen erwartet wird. Menschen, die von Arbeitssucht betroffen sind, haben Schwierigkeiten, die Grenze zwischen beruflichem Engagement und dem Too Much zu erkennen.

Aber wie grenzt sich Arbeitssucht von der Begeisterung für den eigenen Job ab? Menschen, die ihre Arbeit lieben und motiviert sind, arbeiten auch meist viel und lange. Doch während die Arbeit für sie erfüllend ist und sie sich dabei zufrieden fühlen, geht es bei Arbeitssucht eher um ein ungesundes Verhalten, das aus einem inneren Zwang heraus entsteht. Die Freude am Job wird zunehmend von der Notwendigkeit verdrängt, immer mehr zu leisten.

Wie äußert sich Arbeitssucht und wie erkenne ich, ob ich betroffen bin?

Arbeitssucht ist nicht immer offensichtlich. Anfangs kann sie sich sogar als Zeichen von Engagement und Zielstrebigkeit tarnen. Doch im Laufe der Zeit zeigen sich dann folgende typische Anzeichen:

  • Für viele Betroffene wird die Arbeit zur Priorität, während persönliche Beziehungen und Freizeitaktivitäten immer weiter in den Hintergrund rücken. Zeit für die Familie, Freunde oder sich selbst bleibt kaum noch.
  • Es fällt schwer, abzuschalten: Die Unfähigkeit zur Abgrenzung dazu führt, dass die Gedanken auch nach Feierabend immer noch um Aufgaben und Termine kreisen und echte Erholung ausbleibt.
  • Trotz sichtbarer Erfolge bleibt die Unzufriedenheit. Es gibt immer noch mehr zu tun und immer noch mehr zu erreichen.
  • Wer dauerhaft die eigenen Grenzen überschreitet, spürt früher oder später die Folgen: Physische und emotionale Erschöpfung zeigt sich etwa durch Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Verspannungen.
  • Selbst freie Zeit fühlt sich nicht mehr unbeschwert an. Sobald man nicht arbeitet oder Aufgaben liegen bleiben, treten Schuldgefühle auf.

Wann wird Arbeitssucht krankhaft?

Problematisch wird das übermäßige Arbeiten immer dann, wenn es die Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Ist die Arbeit das einzige, was im Leben zählt, während alles andere auf der Strecke bleibt, kann dies zu ernsthaften Erkrankungen führen. Dazu gehören in erster Linie ein Burnout und Depressionen.

Welche Berufe und welche Menschtypen sind besonders häufig betroffen?

Arbeitssucht kann theoretisch jeden treffen, aber bestimmte Berufe und Persönlichkeitsmerkmale erhöhen das Risiko. Besonders in Berufen, in denen hohe Erwartungen an die eigene Leistung und Verfügbarkeit gestellt werden, ist Arbeitssucht häufig zu beobachten. Dazu gehören:

  • Führungskräfte und Manager: Eine hohe Verantwortung und der ständige Druck, Entscheidungen zu treffen und Ergebnisse zu liefern, führen zu einem erhöhten Risiko, die Arbeit zu einem dominierenden Lebensbereich zu machen.
  • Beratende Berufe: In Consulting- oder Finanzberufen ist das Arbeitspensum oft enorm und die Möglichkeit, immer noch etwas mehr zu tun, ist verlockend.
  • Kreativberufe: Auch Menschen in kreativen Berufen wie Design und Werbung oder in der IT zählen zur „Risikogruppe“. Besonders dann, wenn der Job stark mit der eigenen Identität verknüpft ist, ist es nicht immer einfach, eine Balance zwischen der Arbeit und Freizeit zu finden.

Darüber hinaus gibt es bestimmte Typen, die schneller arbeitssüchtig werden als andere.

  • Perfektionisten: Wer immer nach dem Bestmöglichen strebt und ständig unzufrieden ist, läuft Gefahr, sich in der Arbeit zu verlieren.
  • Leistungsorientierte Menschen: Personen, die sich über Lob und Anerkennung definieren, tendieren dazu, mehr zu arbeiten, um noch mehr davon zu erhalten.
  • Menschen mit schlechtem Zeitmanagement: Wer Schwierigkeiten hat, Prioritäten zu setzen und Aufgaben abzugeben, tappt schnell in die Falle, immer mehr Arbeit auf sich zu nehmen.

Was kann ich tun, wenn ich arbeitssüchtig bin?

Der erste und wichtigste Schritt ist die Einsicht, dass die Arbeit zu viel ist. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeitshaltung ist entscheidend, um zu erkennen, dass der Fokus nicht nur auf der Arbeit liegen darf. Einige einfache, aber effektive Tipps:

  • Es ist hilfreich, bewusst Prioritäten zu setzen und dabei zu unterscheiden, welche Aufgaben wirklich wichtig sind und welche lediglich dringend erscheinen.
  • Regelmäßige Pausen sollten fest eingeplant werden, da Erholungsphasen notwendig sind, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.
  • Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit lässt sich stärken, indem man sich gezielt Zeit für Hobbys und soziale Kontakte nimmt (auch wenn es am Anfang schwerfallen mag).
  • Wird der Druck zu groß, kann eine externe Unterstützung sinnvoll sein. Experten helfen jetzt dabei, die eigenen Verhaltensmuster zu reflektieren und neue Strategien zu entwickeln.

Arbeitssucht ist nicht nur ein Problem für die einzelne Person: Sie kann auch die Teamdynamik und das Arbeitsklima negativ beeinflussen. Daher ist es wichtig, das Thema ernst zu nehmen und für sich selbst zu erkennen, wann es Zeit ist, einen Schritt zurückzutreten.

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