Präsentismus: Wenn sich Arbeitnehmer krank zur Arbeit schleppen

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Ein Mann sitzt vor dem Laptop und putzt sich die Nase mit einem Taschentuch

Nicht offiziell krank, aber auch nicht wirklich fit: Kommt ein Mitarbeiter angeschlagen zur Arbeit, handelt es sich um einen Fall von Präsentismus. Für dieses Verhalten kann es viele Gründe geben, darunter auch Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber.

Was ist Präsentismus?

Der Begriff “Präsentismus” bezeichnet ein Phänomen, das jeder sicherlich bereits an seinem Arbeitsplatz beobachtet hat. Ein Kollege ist gesundheitlich angeschlagen, erscheint aber dennoch zur Arbeit. Eine Erkältung, Rückenschmerzen, Migräne, Allergien und andere Krankheiten können hier im Spiel sein. In diesem Zustand ist er oder sie aber natürlich nicht voll leistungsfähig, die Produktivität ist zum Teil deutlich reduziert.

Gründe für Präsentismus

Es gibt viele Gründe für Präsentismus. Unter anderem können die folgenden Faktoren dabei eine Rolle spielen:

● Motivation: Ein Mitarbeiter ist mit vollem Eifer mit einer aktuellen Aufgabe oder einem Projekt beschäftigt und möchte dies unbedingt zu Ende führen.
● Loyalität dem Arbeitgeber/Vorgesetzten/Kollegen gegenüber: Arbeitnehmer möchten verhindern, dass die eigenen Aufgaben von anderen zusätzlich erledigt werden müssen. Oder sie wollen ihren Arbeitgeber/Vorgesetzten nicht enttäuschen.
● Angst um den Arbeitsplatz: Mitarbeiter fürchten, durch Fehlzeiten ihren Arbeitsplatz zu gefährden. Das ist zum Beispiel bei befristeten Arbeitsverträgen häufig der Fall, aber auch, wenn Branchen von konjunkturellen Flauten betroffen sind.
● Sie brauchen das Geld: Honorartätigkeiten, Mini-Jobs und andere, ausschließlich nach Anwesenheit und Leistung bezahlte Tätigkeiten, fördern Präsentismus.

Warum ist Präsentismus schädlich?

Präsentismus ist nicht etwa gut für ein Unternehmen, im Gegenteil. Oftmals sind die Produktivitätsausfälle sogar höher, als wenn der betroffene Mitarbeiter ganz zu Hause geblieben wäre. Denn: Ist der Angestellte angeschlagen, leidet die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Fehleranzahl und Ausschussquote steigen, während die Produktivität gleichzeitig sinkt.

Zudem birgt Präsentismus ein gesundheitliches Risiko: Wird die Erkrankung nicht ordentlich auskuriert, kann sich die Heilungszeit verlängern, oder die Krankheit sogar chronisch werden. Außerdem besteht das Risiko, dass ein kranker Angestellter andere Kollegen ansteckt.

Was können Sie gegen Präsentismus tun?

Auf betrieblicher Seite können Sie einiges tun, um Präsentismus vorzubeugen und zu vermeiden. Sorgen Sie etwa für sichere Beschäftigungsverhältnisse und einen wertschätzenden Umgang untereinander. Das verringert Existenzängste und Rechtfertigungsdruck bei Ihren Angestellten. Sensibilisieren Sie auch Ihre Führungskräfte für das Problem: Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ihrerseits nicht offensichtlich krank zur Arbeit erscheinen.

Versuchen Sie, Ihren Mitarbeitern einen möglichst ergonomischen und somit stressfreien Arbeitsplatz zu ermöglichen. Fördern Sie die Gesundheitskompetenz Ihrer Angestellten, etwa durch Stressbewältigungsseminare.

Urheber des Titelbildes: antonioguillem/ 123RF Standard-Bild


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